BSR 96: Die Cloud hat Betonwände: Warum KI-Rechenzentren zum neuen Machtfaktor werden

Es gibt Gebäude, an denen wir täglich vorbeifahren, ohne sie wirklich zu sehen. Keine Schaufenster. Kaum Menschen. Oft nur graue Hallen, Zäune, Lüftungsanlagen und ein Parkplatz, der seltsam leer wirkt. Man hält sie für Lagerhallen. Doch in Wahrheit sind viele dieser Gebäude etwas ganz anderes: die physische Infrastruktur der künstlichen Intelligenz.

Die Cloud war nie wolkig. Sie war immer Beton, Stahl, Kabel, Wasser, Transformatoren — und Strom. Sehr viel Strom.

Der neue Hunger nach Energie

Moderne KI-Rechenzentren sind keine gewöhnlichen Serverräume mehr. Hyperscale-Anlagen erreichen heute häufig elektrische Anschlussleistungen von 100 bis über 200 Megawatt. Die größten derzeit im Bau befindlichen KI-Campus liegen bereits bei rund 2 Gigawatt, geplante Projekte sogar bei bis zu 5 Gigawatt. Zum Vergleich: Ein einzelner Kernkraftwerksblock liefert – je nach Reaktortyp – typischerweise etwa 900 bis über 1.500 Megawatt elektrische Leistung. [1], [2], [3]

Das ist der Punkt, an dem aus Technologiepolitik Energiepolitik wird. Nach dem Lawrence Berkeley National Laboratory verbrauchten US-Rechenzentren 2023 rund 176 Terawattstunden Strom — etwa 4,4 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs. Bis 2028 könnte dieser Anteil auf 6,7 bis 12 Prozent steigen. [4], [5]

Die nächste große Infrastrukturfrage lautet daher nicht nur, wer die besten Modelle trainiert. Sondern: Wer bekommt den Stromanschluss?

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BSR 94: Die Maschine flüstert. Und wir glauben ihr.

Stellen Sie sich vor, jemand verändert gerade Ihre Meinung. Nicht laut. Nicht aggressiv. Sie hebt nicht die Stimme. Sie streitet nicht. Sie wird nicht rot, nicht nervös, nicht beleidigt. Sie sagt einfach: „Hier ist die Antwort.“

Vielleicht sogar in der Stimme, der Sie inzwischen mehr vertrauen als einem Journalisten, einem Politiker oder einem Kollegen.

Und vielleicht ist das der Moment, in dem wir aufhorchen sollten. Nicht, weil die Antwort falsch sein muss. Nicht einmal, weil sie manipulativ sein muss. Sondern weil sie in einer Form kommt, gegen die unser Verstand erstaunlich schlecht verteidigt ist: ruhig, sachlich, glatt, hilfsbereit.

Was geschieht, wenn eine Antwort nicht mehr klingt wie eine Meinung, sondern wie ein Messwert? Wenn sie nicht mehr wirkt wie ein Kommentar, sondern wie ein neutraler Auszug aus der Wirklichkeit? Wenn wir nicht mehr fragen: „Wer sagt das?“, sondern nur noch denken: „Die Maschine wird es schon wissen.“

Während wir bei Politikern, Journalisten oder Influencern sofort nach versteckten Interessen suchen, legen wir bei einer Künstlichen Intelligenz unsere Skepsis oft unbemerkt ab. Schließlich ist sie doch nur eine Maschine. Eine Maschine kann doch keine Meinung haben.

Oder?

Genau dieser Gedanke könnte zu den größten Irrtümern unserer Zeit gehören. Denn die gefährlichste Manipulation ist die, die sich nicht wie Manipulation anfühlt.

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BSR 93: Die große Enteignung

Es geschieht nicht mit Gewalt.

Niemand tritt deine Tür ein. Niemand legt dir Handschellen an. Niemand zwingt dich, deine kostbarste Ressource herauszugeben.

Trotzdem verschwindet sie. Minutenweise. Stundenweise. Jahrelang.

Es gibt Unternehmen, deren Marktwert das Bruttoinlandsprodukt ganzer Nationen übersteigt, weil sie diese Ressource nutzen. Und ihr größtes Kapital sind weder Fabriken noch Patente noch Rohstoffe. Es ist das, worauf du genau in diesem Moment blickst.

Nicht deine Augen.

Sondern deine Aufmerksamkeit.

Deine Aufmerksamkeit.

Vor zwanzig Jahren konnte man einem Menschen seine Freiheit nehmen, indem man seinen Körper einsperrte. Heute reicht es, seinen Blick zu fesseln.

Wir nennen es Unterhaltung. Kommunikation. Information. Produktivität.

Wir nennen es irgendwie, aber nicht bei seinem wirklichen Namen: Ein permanenter Kampf um die wertvollste Währung des menschlichen Lebens.

Deine Aufmerksamkeit.

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BSR 92: Die unsichtbare Hand am Bildschirm

Im Jahr 2012 führte Facebook ein Experiment an 689.000 Menschen durch.

Das Ungewöhnliche daran war nicht die Zahl.

Es war auch nicht das Ergebnis.

Das Ungewöhnliche war, dass die Versuchspersonen nichts davon wussten. Und dass die Verantwortlichen die Ergebnisse später in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlichten. Nicht als Skandal. Nicht als Enthüllung. Sondern als Forschung. [1]

Wer an diesem Morgen Facebook öffnete, sah etwas anderes als sein Nachbar.

Ein paar Beiträge weniger.

Ein paar Beiträge mehr.

Etwas weniger Positives.

Etwas weniger Negatives.

Kaum genug, um aufzufallen.

Aber ausreichend, um die Stimmung messbar zu verändern. Die Forscher nannten das „emotionale Ansteckung“ – emotional contagion. Sie zeigten, dass Menschen ihre eigene emotionale Ausdrucksweise veränderten, abhängig davon, welche Emotionen ihnen im Newsfeed präsentiert wurden. [1]

Man könnte sagen, das war die eigentliche Entdeckung.

Nicht, dass Menschen sich beeinflussen lassen. Das wussten wir bereits.

Die Entdeckung war etwas anderes: Wie wenig dafür nötig ist.

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BSR 86: Die Simulation der Realität – Baudrillards Theorie der Simulacra und ihre Bedeutung in der modernen Gesellschaft

Jean Baudrillards Werk „Das Andere selbst“ von 1972 sowie seine späteren Ausführungen in „Simulacres and Simulation“ von 1981 bieten eine scharfsinnige Kritik an der Art und Weise, wie Zeichen, Bilder und Modelle unsere Wahrnehmung der Welt formen. In einer Zeit, in der das digitale Zeitalter und die Medien allgegenwärtig sind, erscheinen seine Theorien heute aktueller denn je. Baudrillard beschreibt einen tiefgreifenden Wandel, bei dem Zeichen nicht mehr die Realität widerspiegeln, sondern eine eigene, autonome Existenz entwickeln – eine Hyperrealität, in der das „Reale“ zunehmend irrelevant wird.

Baudrillard beginnt seine Auseinandersetzung mit dem Konzept des „symbolischen Tauschs“ mit einer Kritik an den Zeichen und ihren Bedeutungen. In der traditionellen Welt war das Zeichen ein Spiegel der Realität, doch zunehmend entzieht sich dieses Zeichen seinem ursprünglichen Bezug. Baudrillard beschreibt drei Phasen des Zeichens, die jeweils eine neue Entwicklung in unserer Wahrnehmung der Welt markieren:

  • Imitation: Zeichen sind Abbilder realer Gegenstände. Sie spiegeln ihre „wahre“ Bedeutung wider.
  • Produktion: Mit der Industrialisierung und der Massenproduktion von Waren verlieren diese Zeichen zunehmend ihre Authentizität.
  • Simulation: Zeichen sind völlig losgelöst von der realen Welt, sie existieren in einem autonomen System sozialer und symbolischer Macht.

Mit der Entwicklung von Zeichen von der Imitation zur Simulation wird Realität zunehmend durch Zeichen ersetzt, die sich ihrer ursprünglichen Bedeutung entziehen.

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BSR 84: Glaskugel lesen II

Am 4. Juni 2025 wurde eine sehenswerte Dokumentation veröffentlicht, die ich an dieser Stelle ohne viele Worte einbinde. Sie zeichnet ein größeres Bild dessen, was auf die Menschheit zukommt auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen und regt sehr zum Nachdenken an.

Die Dokumentation kann auf dieser Website heruntergeladen und weiterverbreitet werden. Das Motto der Produzenten bei Oracle Films lautet: Share. Download. Reupload.

BSR 50: Digitale Zentralbankwährung condensed

Prolog

Während sich die Öffentlichkeit auf Ablenkung und Unterhaltung konzentriert (Brot und Spiele), arbeiten die globale Banker eifrig an der Entwicklung einer neuen Form von Geld. Neu in dem Sinne, dass es keine Scheine und keine Münzen mehr sein werden, die zukünftig als Rückgrat eines ausgeklügelten Systems der finanziellen Überwachung und Kontrolle dienen werden. Kein Scherz – das Schicksal der menschlichen Spezies steht auf dem Spiel. Nicht mehr und nicht weniger!

Pilotiert wurde die Technologie, von der im Folgenden die Rede sein wird, im Rahmen der Corona-Plandemie unter der Bezeichnung „Green Pass“ (Digitaler Gesundheitspass). Sie tritt aber in unterschiedlichen Formen in Erscheinung.

Können Sie Ihren Freunden erklären, warum die digitale Zentralbankwährung (CBDC) so wichtig ist und warum es für die gesamte Menschheit von größter Bedeutung sein sollte, sich damit zu beschäftigen?

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BSR 47: Massenpsychose condensed (pt. 3)

Die Ideologisierung

In Teil 1 über das Thema Massenpsychose haben wir im Zeitraffer die Entwicklung der Menschheit beleuchtet mit dem Fokus auf die wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften, die nicht nur segensreich waren, sondern diverse Ängste der Menschen hervorgerufen haben, die es früher nicht gab – Ängste vor den Kräften, die der Mensch selbst in der Lage ist zu entfachen und mit denen der Mensch mehr und mehr in die Lage versetzt wird, die Natur, die Schöpfung nach seinen Wünschen zu beeinflussen und zu gestalten. Ist die ursprüngliche Aufgabe der Wissenschaft, ihre Theorien an die Wirklichkeit anzupassen, so hat der technologische Fortschritt mittlerweile zu einem weiteren Kipppunkt geführt, auf den ich gleich zurückkomme.

In Teil 2 zur Massenpsychose haben wir einen anderen Kipppunkt kennengelernt – den Kipppunkt eines Einzelnen, der zu einem Hypnose-ähnlichen Zustand führt, wenn diffuse Ängste, Orientierungslosigkeit und Aggressionen auf ein Feindbild projiziert werden können, welches medial transportiert wird, und auf diese Weise plötzlich eine lang ersehnte Orientierung und Zusammengehörigkeit entsteht.

Der Kipppunkt des technologischen Fortschritts ist der Punkt, an dem die Aufgeschlossenheit und die Weltoffenheit der Wissenschaft umschlagen in narzisstisch geprägte Allmachtsfantasien. Diese münden letztlich in eine Ideologisierung der Wissenschaft. Die Theorien der Wissenschaft werden nicht mehr an die Wirklichkeit angepasst, wie es sein sollte, sondern die Wirklichkeit wird mehr und mehr an die ideologisierten Theorien der Wissenschaft angepasst. Beispielhaft genannt seien Themen wie Klimawandel, Bedrohung durch das Corona-Virus, Nutzen der Corona-Impfung, Transhumanismus, Gentechnologie, im Labor gezüchtetes Fleisch, die allesamt kaum sachlich und ideologiefrei debattiert werden können.

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BSR 40: Technokratie

Prolog

In meinem letzten Blog-Beitrag zum Thema Glaskugellesen haben wir die Zukunft aus der Gegenwart extrapoliert. Doch auch die Gegenwart war einmal Zukunft, und zwar in der Vergangenheit. Um also die Gegenwart zu verstehen und daraus die Zukunft ableiten zu können, tun wir gut daran, auch die Vergangenheit zu kennen und zu verstehen.

Derzeit scheint die unipolare sog. internationale regelbasierte Ordnung (International Rule Based Order IRBO) bedroht zu sein. Die globalen Machtverhältnisse scheinen sich zu verschieben. Während Ost und West alte Feindschaften wieder aufleben lassen, wird uns weisgemacht, dass dieser Kampf die Zukunft der internationalen Beziehungen und die Entwicklungsrichtung der Nationalstaaten bestimmt. Der regelbasierten Ordnung steht die sog. Internationale gesetzesbasierte Ordnung (International Law Based Order ILBO) eines globalen multipolaren Systems souveräner Staaten gegenüber. Diese gesetzesbasierte oder auch volkerrechtsbasierte Ordnung wird von Russland und China führend vertreten. Das Kräfteverhältnis scheint sich nach Osten zu verschieben.

Anstatt sich auf den westlichen Imperialismus zu stützen, legt das neue, auf internationalem Recht basierende System den Schwerpunkt auf multipolare Zusammenarbeit, Handel und die Achtung der nationalen Souveränität. Dieses neue multipolare System steht damit angeblich im Gegensatz zu dem verblassenden westlichen „regelbasierten“ Modell.

Doch es sind keineswegs die Nationalstaaten die treibende Kraft hinter der derzeitigen Umstrukturierung. Die geopolitischen Narrative, die uns in den Medien angeboten werden, sind für den medienkompetenten Bürger viel zu oberflächlich.

Diejenigen, die den Wandel anführen, fühlen sich keinem Nationalstaat verpflichtet. In ihren Händen ist das Völkerrecht ebenso wenig ein Hindernis für ihre Ambitionen wie ein vages Bekenntnis zu „Regeln“.

Der globale Wandel wird nämlich nicht von nationalen Regierungen angeführt, sondern von einem globalen Netzwerk von Interessensgruppen, die sich nur ihrem eigenen globalistischen Netzwerk und ihren kollektiven Bestrebungen verpflichtet fühlen und deren Ziel offensichtlich eine globale Technokratie ist.

Über den Einzug technokratischer Strukturen schrieb ich bereits mehrfach ausführlich in der Verangenheit, z. B. in meinen Beiträgen Post-Corona-Weltordnung und Post-Corona-Weltordnung revisited. Dieser Artikel wird noch ausführlicher. Der geneigte Leser möge sich die Zeit nehmen.

Was also als multipolare Ordnung bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit eine Multistakeholder-Ordnung, ein Netzwerk, in dem die nationalen Regierungen Partner sind und das sich aus staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren zusammensetzt. Trotz erklärter Feindseligkeiten haben die Nationalstaaten jahrzehntelang zusammengearbeitet, um den jetzt entstehenden globalen Steuerungskomplex zu gestalten. Es gibt ganz offensichtlich einen gemeinsamen Nenner verschiedenster Interessensgruppen.

Während das System der Nachkriegszeit verschwindet, ist der Rahmen, der an seine Stelle treten soll, den Menschen in den ehemaligen westlichen, liberalen Demokratien völlig fremd. Daher müssen wir uns verändern, um mit der Neuausrichtung zu leben – leben zu lernen. Wir werden darauf konditioniert, an die Verheißungen der neuen Ordnung, sei sie regelbasiert oder gesetzesbasiert, sei sie unipolar oder multipolar, und der darauf aufbauenden globalen Technokratie zu glauben. „BSR 40: Technokratie“ weiterlesen