BSR 95: Wenn es unmöglich klingt

Manche Geschichten klingen zu ungeheuerlich, um wahr zu sein. Und genau deshalb funktionieren sie. Nicht, weil man alles glauben sollte, was dunkel, geheim oder skandalös klingt. Sondern weil die Geschichte immer wieder zeigt: Das Undenkbare ist manchmal bereits Aktenlage.

Diese 11-teilige Sammlung handelt nicht von Misstrauen als Reflex. Sie handelt von Misstrauen als politischer Grundkompetenz. Von der zielgerichteten Beeinflussung ganzer Bevölkerungen. Von Plänen, die nie umgesetzt wurden. Von Kriegen, die unter fragwürdigen Vorwänden begonnen wurden. Von Gesetzen, die im Moment der Angst plötzlich fertig auf dem Tisch lagen. Von Zensur, die sich Schutz nennt. Von Katastrophen, die Machtverhältnisse neu ordnen. Von Ausweispflichten, die mit Kindern beginnen und bei allen enden usw.

Der rote Faden ist einfach: Schau nicht nur auf das Ereignis. Schau auf den Mechanismus dahinter. Wer profitiert? Wer entscheidet? Wer stellt die Regeln auf? Wer bestimmt das Narrativ? Wer bestimmt die Sprache, wer nennt Kontrolle „Schutz“, Druck „Sicherheit“ und Schweigen „Verantwortung“?

Die Texte in dieser Sammlung wollen den Blick schärfen. Denn sobald man erkennt, wie Macht sich rechtfertigt, wie Angst politische Geschwindigkeit erzeugt und wie Institutionen ihre eigenen Interessen hinter guten Worten verstecken, sieht man Nachrichten anders. Nicht alles ist Verschwörung. Aber auch nicht alles ist Zufall. Und genau da beginnt das Lesen.

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BSR 94: Die Maschine flüstert. Und wir glauben ihr.

Stellen Sie sich vor, jemand verändert gerade Ihre Meinung. Nicht laut. Nicht aggressiv. Sie hebt nicht die Stimme. Sie streitet nicht. Sie wird nicht rot, nicht nervös, nicht beleidigt. Sie sagt einfach: „Hier ist die Antwort.“

Vielleicht sogar in der Stimme, der Sie inzwischen mehr vertrauen als einem Journalisten, einem Politiker oder einem Kollegen.

Und vielleicht ist das der Moment, in dem wir aufhorchen sollten. Nicht, weil die Antwort falsch sein muss. Nicht einmal, weil sie manipulativ sein muss. Sondern weil sie in einer Form kommt, gegen die unser Verstand erstaunlich schlecht verteidigt ist: ruhig, sachlich, glatt, hilfsbereit.

Was geschieht, wenn eine Antwort nicht mehr klingt wie eine Meinung, sondern wie ein Messwert? Wenn sie nicht mehr wirkt wie ein Kommentar, sondern wie ein neutraler Auszug aus der Wirklichkeit? Wenn wir nicht mehr fragen: „Wer sagt das?“, sondern nur noch denken: „Die Maschine wird es schon wissen.“

Während wir bei Politikern, Journalisten oder Influencern sofort nach versteckten Interessen suchen, legen wir bei einer Künstlichen Intelligenz unsere Skepsis oft unbemerkt ab. Schließlich ist sie doch nur eine Maschine. Eine Maschine kann doch keine Meinung haben.

Oder?

Genau dieser Gedanke könnte zu den größten Irrtümern unserer Zeit gehören. Denn die gefährlichste Manipulation ist die, die sich nicht wie Manipulation anfühlt.

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BSR 92: Die unsichtbare Hand am Bildschirm

Im Jahr 2012 führte Facebook ein Experiment an 689.000 Menschen durch.

Das Ungewöhnliche daran war nicht die Zahl.

Es war auch nicht das Ergebnis.

Das Ungewöhnliche war, dass die Versuchspersonen nichts davon wussten. Und dass die Verantwortlichen die Ergebnisse später in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlichten. Nicht als Skandal. Nicht als Enthüllung. Sondern als Forschung. [1]

Wer an diesem Morgen Facebook öffnete, sah etwas anderes als sein Nachbar.

Ein paar Beiträge weniger.

Ein paar Beiträge mehr.

Etwas weniger Positives.

Etwas weniger Negatives.

Kaum genug, um aufzufallen.

Aber ausreichend, um die Stimmung messbar zu verändern. Die Forscher nannten das „emotionale Ansteckung“ – emotional contagion. Sie zeigten, dass Menschen ihre eigene emotionale Ausdrucksweise veränderten, abhängig davon, welche Emotionen ihnen im Newsfeed präsentiert wurden. [1]

Man könnte sagen, das war die eigentliche Entdeckung.

Nicht, dass Menschen sich beeinflussen lassen. Das wussten wir bereits.

Die Entdeckung war etwas anderes: Wie wenig dafür nötig ist.

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BSR 91: Einsamkeit – vom Gefühl zum Einfallstor

Es beginnt fast immer leise.

Nicht mit einem Zusammenbruch. Nicht mit einem dramatischen Moment. Nicht mit einer dieser Filmszenen, in denen jemand allein im Regen steht und plötzlich begreift, dass etwas nicht stimmt.

Nein.

Es beginnt mit einer Nachricht, die nicht beantwortet wird. Mit einem Blick, der sich kälter anfühlt, als er vielleicht gemeint war. Mit einem Abend, an dem niemand fragt, ob du noch wach bist. Mit diesem kleinen Stich, wenn du merkst:

Wenn ich heute verschwinden würde — wer würde es bemerken?

Und genau an dieser Stelle geschieht etwas, das kaum jemand ernst genug nimmt. Denn Einsamkeit ist nicht nur ein Gefühl. Sie ist kein trauriger Hintergrundton. Keine Schwäche. Keine Phase, die man mit ein bisschen Ablenkung übersteht.

Einsamkeit verändert, wie du die Welt siehst.

Und vielleicht noch gefährlicher: Sie verändert, wem du glaubst.

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BSR 89: Delphi – Das unsichtbare Betriebssystem politischer Entscheidungen

Wenn Konsens nicht zufällig entsteht

Was wäre, wenn die wichtigsten politischen Entscheidungen nicht erst dann entstehen, wenn wir wählen – sondern Jahre vorher?

Wir leben in einer Welt, in der Begriffe wie „Experten sind sich einig“, „überparteilicher Konsens“ oder „wissenschaftliche Studien zeigen“ als objektive Wahrheit gelten. Sie geben Orientierung, erzeugen Vertrauen und suggerieren Rationalität.

Doch genau hier lohnt sich ein zweiter Blick. Denn Konsens – gerade in komplexen politischen und wirtschaftlichen Fragen – fällt selten vom Himmel. Er wird erzeugt.

Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Dynamik liegt in einer Methode, die auf den ersten Blick neutral wirkt, aber enorme Gestaltungskraft besitzt: die Delphi-Methode.

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BSR 87: Wenn Wissenschaft zur Moral wird, gerät die Demokratie ins Wanken

Eine Klimastudie wird veröffentlicht – und sofort medial gefeiert. Politiker zitieren sie. Dann: Rückzug. Was bleibt? Ein Narrativ, das bereits Politik und Öffentlichkeit geprägt hat. Nicht Betrug – sondern ein Systemfehler.

Unsicherheit? Unerwünscht. Fragen? Verboten. Wer zweifelt, gilt als verantwortungslos. Die Logik: „Jetzt ist nicht die Zeit für Zweifel.“

Echokammern sind kein Zufall. Dringlichkeit und moralische Aufladung schließen den Diskurs. Ergebnis: Fanatiker. Sie entstehen nicht trotz, sondern wegen fehlender Debattenräume.

Systemkorrektur braucht Mut – und Regeln. Helden retten nichts. Nur Transparenz, institutionelle Prüfungen und klare Mechanismen wirken.

Volksvetos als Notbremse? Direkte Bürgerbeteiligung könnte Entscheidungen korrigieren – wenn sie sorgfältig umgesetzt wird. Andernfalls droht Populismus, Kurzschlussreaktionen, Überlastung. Die zentrale Frage: Wollen wir offene Debatten oder absolute Gewissheit? Denn absolute Gewissheit ist die bequemere Illusion – und gefährlich für Wissenschaft, Politik und Demokratie.

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BSR 85: NEUsprech – und noch ein Ouroboro

Kennen Sie den Bericht „Manufacturing Misinformation: The EU-funded propaganda war against free speech“ von Dr. Norman Lewis, veröffentlicht vom Think Tank MCC Brussels?[1]

Können Sie sich noch an einen meiner ersten Blog-Beiträge mit dem Titel „Social Engineering“ erinnern?[2] Es war mein sechster – vom März 2018. Seitdem war das Thema „Meinungsbildung“ – oder nennen wir es zutreffender Propaganda – immer wieder Thema.

Ein ebenfalls immer wiederkehrendes Thema war und ist die Meinungsfreiheit, weil sie die Grundlage bildet für die zivilisatorische Weiterentwicklung einer Gesellschaft.[3]

Der oben genannte Bericht legt dar, dass die EU-Kommission seit etwa 2016 einen groß angelegten, indirekten Meinungssteuerungsapparat aufgebaut hat. Unter dem Vorwand, „Hate Speech“ und „Desinformation“ zu bekämpfen, wurden zwischen 2016 und 2025 insgesamt 349 Projekte mit rund EUR 650 Millionen Fördergeldern unterstützt.[4]

Unter dem Deckmantel von „Fakten“, „digitaler Sicherheit“ und „Hassprävention“ wird versucht, alternative Narrative systematisch zu delegitimieren und so die öffentliche Meinungsbildung zu lenken. Die Projekte werden bewusst mit scheinbar demokratischen Begriffen wie deliberative democracy, capacity building, co-creation, awareness raising, fact checker in the loop in „NEUsprech“ (=Neue EU-Sprache) getarnt, um Kritik abzulenken und Zensur und ihre autoritären Inhalte zu tarnen. Diese sprachliche Verschleierungssystematik macht Kritik schwer und täuscht den Eindruck eines neutralen Forschungsfeldes vor.

Auf diese Weise ist im Laufe der Jahre eine informelle Netzwerkstruktur aus nicht rechenschaftspflichtigen NGOs, Universitäten und Medien entstanden, gesteuert durch EU-Gelder, häufig im Rahmen von Horizon-Forschungsprogrammen finanziert, die den Anschein einer demokratiestärkenden Zivilgesellschaft erwecken sollen.

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BSR 83: Jeder Krieg hat eine Vorgeschichte

Die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges erzählt Prof. Jeffrey Sachs im folgenden 50-minütigen Video (engl.). Sie begann 1993. Interessant ist, dass er als Zeitzeuge über seine persönlichen Erlebnisse vor der Europäischen Union berichten durfte.

Auf diese Vorgeschichte referenziert mein folgendes Anti-Kriegsvideo, um deutlich zu machen, dass gerade die Vorgeschichte für den nächsten großen Krieg stattfindet, in der wir eine Hauptrolle spielen … wir alle. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, den Kriegstreibern, Menschenhassern, Grundgesetzleugnern und Wohlstandsvernichtern KEINE Chance zu geben.

BSR 82: Im Gespräch mit ChatGPT über Gott und die Welt

Markus Langemann vom Club der klaren Worte[1] fragte jüngst ChatGPT nach dem Teufel und veröffentlichte die Antwort, die er bekam, auf YouTube.

„Wenn Sie der Teufel wären, wie würden Sie den Verstand der nächsten Generation zerstören?“

Eine Woche später fragte er ChatGPT nach Gott. Auch diese Antwort veröffentlichte er auf YouTube.

„Wenn Sie Gott wären, wie würden Sie den Verstand der nächsten Generation vor der Zerstörung des Teufels retten?“

Beide Antworten haben mich beeindruckt. Deswegen sind beide Videos am Ende dieses Beitrags verlinkt.

Ich wollte es genauer wissen. Deshalb habe ich die gleiche Frage wie er an ChatGPT gestellt. Na ja, fast die gleiche. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass ich ChatGPT duze, während Herr Langemann als Vollblut-Journalist die höflichere Form des „Sie“ vorzog.

Die Antwort, die ich von ChatGPT bekommen habe[2], unterscheidet sich in der Struktur stark von der Antwort, die Markus Langemann bekam. In ihrer zentralen Aussage gibt es allerdings große Übereinstimmung.

Ob der Unterschied auf meine mangelnde Höflichkeit mit meinem plumpen „Du“ zurückzuführen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Dialog als unregistrierter Gast gestartet habe, ich also nur „zweite Wahl“ war. Oder ich bin nicht der Einzige, der die Probe aufs Exempel gemacht hat und ChatGPT hat inzwischen gelernt.

Wie dem auch sei – es entspann sich ein in meinen Augen lesenswerter Dialog, den ich im Folgenden unredigiert wiedergebe. Ich hätte ihn gerne weitergeführt, aber die Anzahl der Fragen als nicht registrierter Gast ist begrenzt – zweite Wahl eben. Insbesondere die Antwort auf meine letzte Frage hätte mich interessiert.

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BSR 81: Kognitive Dissonanz condensed

Wir sehen uns selbst gerne als konsistente Wesen. Die kognitive Dissonanz ist das Werkzeug dafür, wenn das Bedürfnis, konsistent zu sein, gestört wird.

Wie wirkt sich das z.B. bei politischen Überzeugungen aus?

Wenn Menschen sich weit links oder weit rechts im politischen Spektrum positionieren, stoßen sie früher oder später auf Fakten. Sie ignorieren diese Fakten aber gerne. Sie verwerfen neue Informationen, die nicht mit ihrem Weltbild übereinstimmen.

In diesen Echokammern finden sie allen Trost der Welt.

Und sogar noch mehr. Sie werden womöglich zu Missionaren. Sie verbreiten ihre Überzeugungen noch engagierter und versuchen, andere und insgeheim sich selbst davon zu überzeugen, dass sie Recht haben. Je eifriger sie missionieren, desto mehr überzeugen sie sich aufgrund ihres Eifers selbst davon, dass ihre Überzeugungen richtig sein müssen.

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